Kirchenführer

Kirchführer Schnell & Steiner

Mehr Informationen finden Sie im Kirchenführer. Dieser ist in Deutsch beim Verlag zu erwerben. In Englisch und Italienisch liegen sie in der Kirche auf.

 

St. Oswald zählt zu den schönsten spätgotischen Kirchenbauten Tirols, das wunderbare Tympanonrelief entlang des Hauptportals erzählt die Geschichte des Hostienwunders, das dreischiffige Innere bietet einige Kostbarkeiten, wie die Fresken aus dem 15 Jhdt., die Kanzel mit Flachschnitzereien aus dem Jahr 1524, wertvolle Schreinfiguren, einen gotischen Taufstein und das berühmte Tafelbild von Jörg Köderer aus dem Jahr 1502.

Geschichte der Pfarrkirche St. Oswald

Bereits vor der Römerzeit wurde der Weg über Scharnitz Seefeld und das Inntal benutzt, wobei in Seefeld sich bereits zu dieser Zeit ein Rastplatz befand. Das Seefelder Plateau war damals von Hochseen dicht belegt.

Daher stammt wahrscheinlich auch der Name "Seefeld", welcher 1022 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Um 1180 verschenkte Graf Berchtold von Andechs ein Stück Wald an das Kloster Benediktbeuren auf dem sich heute die Gemeinde befindet. Die Mönche ließen das Gebiet roden und siedelten Bauern an. 

1384 kam es zum Hostienwunder von St. Oswald: Die Kirche zum Hl. Oswald wurde bereits vor der Errichtung von „Bergfels“ erbaut. Oswald Milser der damalige Pfleger auf Bergfels, forderte den Pfarrer in St. Oswald auf, ihn mit einer großen Hostie, welche dem Priester vorbehalten war, zu speisen, worauf sich angeblich der Boden unter ihm auftat und er zu versinken drohte. Erst als der Priester ihm die Hostie au dem Mund nahm verfestigte sich der Boden wieder. Bald nach diesem Ereignis wurde Seefeld zu einem stark frequentierten Wallfahrtsort. Die besagte Hostie wurde in einer Reliquienmonstranz aufbewahrt. Der Ansturm der Pilger war so groß, dass Herzog Friedrich IV. 1423-31 eine größere Kirche errichten ließ, welche den alten Bau als Presbyterium in sich aufnahm.

1474 wurde die Kirche vollendet und konnte geweiht werden.

Sigmund der Münzreiche erwies der Kirche von Seefeld durch mehrere Schenkungen seine Gunst. Auch Kaiser Maximilian I. widmete sich mit großem Interesse der Seefelder Wallfahrt. Als diese langsam zu verfallen drohte, beschloss er einen Klosterbau. Durch die Ansiedlung von Mönchen sollte die Pilgerstätte belebt und gefördert werden. 1516 begann der Bau nach Plänen des Hofmalers Jörg Kölderer, der auch im Auftrag des Kaisers um 1502 das Tafelbild mit dem Hostienmirakel schuf.

1583 pilgerte Erzherzog Ferdinand II. zu Fuß mit einem Gefolge von zweitausend Personen zur Wallfahrtskirche und drei Jahre später schenkte er St. Oswald den Besitz der Burg Bergfels.


1604 konnte das Kloster unter Erzherzog Maximilian dem Deutschmeister, damals noch Statthalter von Tirol und ab 1612 Landesfürst, fertig gestellt werden. Er brachte Augustiner Eremiten aus Brixen nach Seefeld.

Kaiser Josef II. löste 1785 das Kloster auf und beschlagnahmte den reichen Schatz der Kirche. Die pfarrliche Betreuung Seefelds wurde Stift Stams übertragen.

Als Tirol 1808 unter bayrischer Herrschaft stand, wurde schließlich das Kloster mit Brauerei und allen Besitzungen verkauft.

 

Der Hochaltar

Der spätgotischen Hochaltarmensa wurde ein neugotischer Schreinaufbau aufgesetzt.

Der Altar entstand 1870 in Bozen und wurde mit spätgotischen Figuren aus dem 15. Jh. bestückt. In der Predella sind das die Hl. Barbara und die Hl. Agnes (beide um 1510). Sie stammen aus Völs am Schlern (Südtirol).

hochaltar 200Im Schrein steht die Madonna mit Kind (Mitte 15. Jh. aus Meran) flankiert von den Königen Oswald (rechts) und Sigmund (links). Letztere stammen aus St. Leonhard im Passeier und sind um 1490 entstanden. Als Künstler kann man mit großer Sicherheit den aus Brixen stammenden Hans Klocker annehmen.

Die Wahl der beiden Könige hat einen deutlichen Seefeldbezug: Oswald ist der Kirchenpatron und Sigmund ist der Namensheilige des Landesfürsten Sigmund des Münzreichen, der Langhaus und Portal errichten ließ.

Die Figuren im Gesprenge, die Kreuzigungsgruppe mit den Pestheiligen Sebastian und Rochus, sind zeitlich dem Beginn des 16. Jh. zuzuordnen.

Die Reliefschnitzereien der Altarflügel stellen geöffnet Szenen aus dem freudenreichen Rosenkranz dar. Die geschlossenen Flügel zeigen auf Holz gemalte Szenen aus dem schemrzhaften Rosenkranz.

 

Die Blutskapelle

Erzherzog Ferdinand II. weilte nicht nur als passionierter Jäger, sondern auch als Pilger öfter in Seefeld. Er ließ als Förderer der Wallfahrt durch den Hofbaumeister Albertus Luchese 1574 die Kapelle als würdigen Aufenthaltsraum für die Blutshostie schaffen. Ursprünglich im schlichten Renaissancestil erbaut, hat sie Kaiser Karl VI. 1724 barockisieren lassen. Wappen und Jahreszahl im schmiedeisernen Gitter belegen dies.

blutskapelle 200Die Kapelle ist ein tonnengewölbter Raum mit flachbogigen Fenstern. Das Gewölbe über dem mehrfach profilierten Gesims ist reich stuckiert mit Rosen, Akanthus, Muscheln und Füllhörnern. Die Stuckarbeiten werden Michael Hann und Konstantin Rieser, die Malereien dem Hofmaler Michael Huber zugeschrieben. Die Bilder zeigen im ovalen Mittelfeld der Decke das Hostienwunder und seitlich rundum Wundergeschichten aus dem Neuen Testament.

Die Holzkartusche neben dem Altar mit der Aufschrift "Altare perpetuo privilegiatum" besagt, dass mit einem auf diesem privilegierten Altar dargebrachten Messopfer ein vollkommener Ablass für Verstorbene verbunden ist.

Kaiserin Maria Theresia hat 1768 den ersten Altar von 1575 in die heutige Rokokoform umgestalten lassen unter Beibehaltung des Altarbildes mit einer Abendmahldarstellung. O. von Lutterotti schreibt dieses Gemälde Jacopo Bassano eigentl. da Ponte zu, die Landeskonservatorin J. Gritsch Joh. Bapt. Fontana. Da dieser zur Zeit der Entstehung Hofmaler in Innsbruck war, ist Letzteres plausibler. Der Tabernakel mit reicher Silber-Treibarbeit (Hostienwunder) ist eine vortreffliche Arbeit des Augsburger Goldschmieds Georg Baur um 1770. Zu beiden Seiten befindet sich je ein barockes Reliquiar. An der Wand zum Presbyterium der Kirche hängen zwei Altarblätter auf Leinwand: "Die Verzückung des hl. Augustinus" ist bezeichnet mit J(ohann) M(ichael) Greiter (1769). Das andere Bild zeigt die Opferung Isaaks und wurde von Carl Loth im 17.

Jh. geschaffen. Die Statuen zwsichen den Fenstern stellen den hl. Augustinus (Ordensgründer), den hl. Nikolaus von Tolentin, den hl. Thomas de Villa Nova und den hl. Johannes a Facundo dar. Die letzten drei sind Eremitenheilige. Die Blutskapelle ist den Heiligen Vitus und Modestus (Nothelfer und Märtyrer) geweiht und wurde am 20. Juli 1574 feierlich mit der Übertragung der Wunderhostie eingeweiht. Die Blutskapelle musste 1953 bis 1957 und 1983/84 renoviert werden.

Die Begebenheit mit Oswald Milser

Seefeld gehörte in ältester Zeit zur Pfarre Telfs und stand mit derselben durch einen drei Stunden langen Weg über Mösern in Verbindung. Es hatte frühzeitig ein eigenes Kirchlein mit Gottesacker. Dieses war dem hl. Märtyrer Oswald (Fest am 5. August) geweiht. Im jahre 1334 wurde hier eine eigene Kaplanei errichtet und Konrad von Schellenberg durch Bischof Albert von Brixen zum ersten Kaplan ernannt. Dieses St. Oswaldkirchlein wurde nun weltberühmt durch diese Wundergeschichte, welche sich mit Oswald Milser, Pfleger in der Feste Schloßberg, darin zugetragen hat.

heliges blut 200Die Milser oder Mülser führten ihren Namen (nach Rapps Diözesanbeschreibung) vom Dorfe Mils oder Müls bei Imst; nachdem sie das Schloß Klamm unweit Obsteig erworben hatten, nannten sie sich Milser von Klamm. Rupert Milser, der Großvater des Oswald, ließ im Jahre 1286 bei der Klosterkirche Stams die sogenannte Milsersche Kapelle erbauen, die 1306 zu Ehren des Allerheiligsten Sakramentes (daher auch Sakramentskapelle geheißen) eingeweiht wurde und dem Geschlechte, das um 1400 ausstarb, als Familiengruft diente. Um 1620 erweiterte Abt Thomas die Kapelle und setzte in derselben die Reliquie vom kostbaren Blut aus der Seitenwunde Christi bei, weshalb sie im Volksmunde fortab gewöhnlich Blutskapelle hieß.

Oswald, von dem hier die Rede ist, war überaus reich und mächtig am Inn und an der Etsch, vieler Burgen und Burggefälle Herr und Inhaber, dabei gewalttätig, stolz und übermütig. hatte er doch im jahre 1367 den Abt Konrad II. Speiser des Prämonstratensertiftes Wilten eine Zeit lang auf seinem Schlosse Klamm gefangen gehalten und sich dadurch den Kirchenbann zugezogen, von dem er fünf Jahre später losgesprochen wurde. Im Bewußtsein seiner Macht und seines Reichtums geriet er auf den sonderbaren Einfall, sich die Osterkommunion in einer großen Hostie, wie sie die Priester genießen, reichen zu lassen, um dadurch seinen Vorrang vor allem Volke zu zeigen. Der Priester suchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen; aber durch Drohungen erschreckt, gab er nach und willfahrte dem Verlangen.Oswald tritt im Ritterschmucke an die linke Seite des Altares und empfängt stehend und bedeckten Hauptes, wie ein Gemälde des Josef Schöpf von Telfs in der Blutskapelle zu Stams es darstellt, die heilige Kommunion. Aber kaum berührt er mit frevelnder Zunge die große heilige Hostie, so gibt der Boden nach und, versinkend bis an die Knie, will sich Oswald am Altarsteine halten; doch dieser neigte sich ein wenig gegen ihn, wie noch zu sehen ist, und wird weich wie Wachs, so daß sich Hand und Finger demselben eindrücken. Gewaltiger Schrecken übermannt den Sünder; voll Reue bittet er Gott um Verzeihung und fleht den Priester an, ihm das hlst. Sakrament aus dem Munde zu nehmen; denn er konnte es nicht genießen. Als der Priester dieses tat, zeigte sich ein neues, großes Wunder; an der durch die Feuchtigkeit der Zunge und des Mundes zusammengezogenenen heiligen Hostie wurden nämlich blutige Male in Form von Tropfen sichtbar.

Diese Blutspuren an der Hostie gaben den Anlaß, daß der Volksmund statt von der "wunderbaren Hostie" von einem "Heiligen Blut" in Seefeld redet.
Kaum ward Milsers Hochmütiges Herz zur Reue erweicht, befestigte sich die Erde unter seinen Füßen. Verwunderung, Staunen und Ehrfurcht hatte sich aller Anwesenden bemächtigt. Oswald, in seinem unbändigen Stolze gedemütigt und zitternd an allen Gliedern, machte sich aus der Senke los, warf sich auf seine Kniee nieder und klopfte unter Seufzen und Weinen an sein Herz.

Inzwischen verfügte sich einer seiner Diener eiligst nach Hause, der Gemahlin seines Herrn, welche Dorothea hieß und aus religiösem Kaltsinn an diesem Tage die Kirche nicht besucht hatte, Nachricht vom Vorgefallenen zu bringen. Allein die stolze Frau wollte dem Boten keinen Glauben schenken und sagte vermessen, daß eher der neben ihr stehende Hackstock Rosen hervorbringen würde, als daß das Erzählte wahr sein könnte. Und in der Tat! Auf der Stelle erblühen schöne Rosen am Stocke. Doch die Frevlerin kehrte sich nicht daran, sondern riß die Rosen ab, warf sie zu Boden und zertrat sie. Dieser hartnäckige Unglaube ward vom erzzürnten Himmel alsogleich strenge bestraft. Die Unselige wurde nämlich augenblicklich wahnsinnig und wie ein wildes Tier lief sie in voller Raserei hinaus in die anliegenden Waldungen, wo sie elend zu Grunde ging. Die Legende weiß, daß nur noch ein Pantoffel von ihr gefunden wurde.

Oswald hatte sich vom Schrecken seiner Warnung noch nicht erholt, als er die traurige Botschaft von dem beweinenswerten Untergange seiner Gemahlin vernahm. Durch dieses Unglück noch mehr zerknirscht, verließ er später alles und zog sich in das Kloster Stams zurück, um daselbst seinen Stolz zu büßen. Er führte da ein überaus strenges Leben; sein Nachtlager war die bloße Erde, sein Kopfkissen ein harter Stein. Nach zwei Jahren der strengsten Buße starb er und ward bei seinen Voreltern in der Milserschen Kapelle begraben, jedoch nicht in der eigenltichen Gruft, sondern unter der Türschwelle am Eingange in die Kapelle, wie er es vor seinem Tode demütig verlangt hatte, damit alle Aus- und Eingehenden seine Leiche mit Füßen treten. Statt eines kosbaren Denkmales bezeichnet nur ein kleines Kreuzchen, in den Fußboden gehauen, die Beisetzungstätte, das, wiederholt erneuert, noch heute zu sehen ist.

(Quelle: Seefeld und seine Wallfahrtsstätten, P. Meinrad Bader, Innsbruck 1909, S. 8ff. )

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